Wo nimmt unser Rambo die Energie auf dem Platz her?

Stuart Franklin/GettyImages
Nicolai Ramberg und seine rührende Beziehung zu seinem Opa Peter.
Wer Nicolai Remberg in der letzten Saison im Trikot des Hamburger SV auf dem Platz erlebt, sieht vor allem eines: puren Einsatz, unbändige Laufbereitschaft und einen unermüdlichen Kampfgeist. Er ist der klassische Mittelfeld-Abräumer, der keinen Zweikampf scheut und dort hingeht, wo es wehtut. Nicht umsonst hat er bei den Fans längst den Spitznamen „Rambo“ sicher. Doch woher nimmt ein Profi Woche für Woche diese enorme Energie, um über die vollen 90 Minuten die Fäden im Mittelfeld zusammenzuhalten?
Die Antwort darauf liegt abseits des Trainingsplatzes, weit weg vom Scheinwerferlicht des Volksparkstadions. Maßgeblich verdankt Nicolai diese Energie und seinen unbedingten Willen seinem Opa Peter.
Peter Remberg ist 72 Jahre alt und lebt im westfälischen Rheine. Was ihn mit den Menschen in Hamburg verbindet, ist eine tiefe, lebenslange Leidenschaft: Er ist schon seit seiner Kindheit glühender HSV-Fan. Dass sein eigener Enkel nun das Trikot seines Herzensvereins trägt, ist eine Geschichte, wie sie wohl nur der Fußball schreiben kann. Doch Opa Peter ist keineswegs nur ein stolzer Zuschauer, der aus der Ferne die Daumen drückt. Er ist bis heute eine der wichtigsten treibenden Kräfte hinter Nicolais sportlicher Entwicklung.
Die Beziehung zwischen den beiden ist geprägt von einer tiefen Herzlichkeit, aber auch von einer ehrlichen, sportlichen Reibung. Es ist ein festes Ritual nach den Spielen geworden: Sobald der Abpfiff ertönt ist, sucht sich Nicolai in der Nähe des Mannschaftsbusses einen ruhigen Ort, um auf das Display seines Handys zu schauen. Denn dort wartet meist schon der Anruf oder die Nachricht von seinem Großvater.
Dabei nimmt Opa Peter kein Blatt vor den Mund. Selbst nach Siegen oder starken Leistungen bleibt er der schärfste Kritiker seines Enkels. Da wird jeder ungenaue Pass und jeder verlorene Zweikampf genau analysiert. Es ist diese ungefilterte, aber immer wohlwollende Kritik, die Nicolai am Boden hält und gleichzeitig dazu antreibt, sich niemals auszuruhen. Ein Verstecken vor diesen Gesprächen gibt es für den HSV-Profi nicht – im Gegenteil: Er schätzt und braucht dieses Feedback, um sich stetig zu verbessern.
Dass in den Remberg-Genen echter HSV-Zusammenhalt steckt, zeigt sich auch an der Großmutter, die das Duo im Hintergrund perfekt ergänzt. Während der Opa die sportliche Leistung seziert, sorgt die Oma für den mentalen Rückhalt und die nötige Wärme vor und nach den Partien. Zusammen bilden die Großeltern das Fundament, auf dem Nicolais Erfolg in Hamburg ruht.
Für uns HSV-Fans ist diese Familiengeschichte ein echtes Geschenk. In Zeiten des modernen, oft unterkühlten Profifußballs tut es gut zu wissen, dass einer unserer Leistungsträger von Menschen angetrieben wird, die die Raute schon im Herzen trugen, lange bevor Nicolai überhaupt geboren wurde. Wir können Opa Peter nur dankbar sein. Dankbar dafür, dass er Nicolai diesen Siegerinnen- und Siegermentalität eingeimpft hat und dass er dafür sorgt, dass unser „Rambo“ in jedem Spiel alles für den Verein gibt.
Nicolais größter Traum ist es nun, dieses Stück Familiengeschichte zu vollenden: Er möchte seinen Opa unbedingt einmal live im Volksparkstadion erleben. Bisher zieht der 72-Jährige, der langsam die Knochen spürt und bei den Spielen seines Enkels verständlicherweise sehr aufgeregt ist, den heimischen Fernsehsessel vor.
Doch wenn es irgendwann so weit ist und Opa Peter auf der Tribüne Platz nimmt, wird das ein ganz besonderer Moment für die ganze HSV-Familie. Denn dann sitzt dort nicht nur ein stolzer Großvater, sondern der Mann, der maßgeblich dafür sorgt, dass auf unserem Platz die Energie niemals ausgeht.
Autor

Kevin
Gründer von rautenblick. In Hamburg geboren, HSV-Fan seit Kindheit.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
