Mehr als nur 90 Minuten – warum unsere Fanszene ein riesiges Herz hat

Mitglieder von 38/50 Schorbach zusammen mit Bernd Wehmeyer bei einer der Spenden-Übergaben.
Eine besondere Tradition vom OFC: 38/50 Schorbach aus Ottrau-Schorbach.
Wir alle kennen dieses Gefühl. Man liebt den HSV, man fiebert bei jedem Spiel mit, man leidet und man feiert gemeinsam. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, dann ist Fansein so viel mehr als nur die Raute auf der Brust oder der Platz im Stadion. Für mich bei rautenblick ist es vor allem ein gelebtes Gemeinschaftsgefühl – ein Miteinander, bei dem wir aufeinander achten. Heute möchte ich euch von einer Geschichte erzählen, die mich wirklich berührt hat und die zeigt, was möglich ist, wenn HSV Fans an einem Strang ziehen.
Ich durfte den Fanclub 38/50 Schorbach aus Ottrau-Schorbach kennenlernen. Für die Jungs und Mädels sind die 400 Kilometer bis Hamburg zwar eine Ansage, aber die Entfernung ist für sie kein Hindernis, den HSV mit jeder Faser zu leben. Die sieben Dauerkarteninhaber des Clubs haben sich etwas richtig Tolles überlegt. Wenn sie es mal nicht in den Volkspark schaffen, geben sie ihre Karten innerhalb der Gruppe oder an Freunde weiter. Und das Wichtigste daran? Das Geld dafür landet nicht in der eigenen Tasche.
Der Kassierer sammelt diese Beträge das ganze Jahr über. Oft legen die Mitglieder sogar noch freiwillig etwas oben drauf. So kommen jährlich zwischen 500 und 2.000 Euro zusammen. Das Geld landet fast immer auf der Kinderkrebsstation im UKE in Hamburg, um den Kids dort mit neuem Spielzeug oder anderen Anschaffungen den Klinikalltag ein bisschen heller und bunter zu machen.
Diese Verbindung hat eine echte Seele. Der Ehrenpräsident des Clubs, Harald Becker, und der Oberarzt der Station, Prof. Dr. med. Ingo Müller, haben zusammen Abitur gemacht. Eine Freundschaft, die über Jahrzehnte hält und die diesen so wertvollen Draht zur Klinik erst möglich gemacht hat. Und wenn bei einem der eigenen Mitglieder mal das Schicksal zuschlägt – sei es durch einen persönlichen Rückschlag oder ein abgebranntes Eigenheim – dann rückt der Club sofort zusammen und unterstützt sich gegenseitig. Das ist für mich eine echte Familie.
Dass diese Herzenssache mittlerweile auch beim HSV angekommen ist, finde ich absolut klasse. Der Club durfte sogar Bernd Wehmeyer bei einer Spendenübergabe direkt im UKE begrüßen. Das war im Rahmen einer ihrer Saisonabschlussfahrten, und ich kann mir vorstellen, wie bewegend dieser Moment war. Wer einmal hautnah sieht, welche Kämpfe diese Kinder jeden Tag führen müssen, für den bekommen Worte wie Probleme eine ganz andere Bedeutung.
38/50 Schorbach zieht das nun schon seit zehn Jahren durch und hat fest vor, noch lange am Ball zu bleiben. Es tut einfach gut zu sehen, dass wir trotz aller Fußballverrücktheit nie den Blick für die Menschen verlieren, denen es nicht so gut geht wie uns. Genau das ist für mich die Essenz des HSV. Zusammenstehen, helfen und füreinander da sein.
Ich bin verdammt stolz auf euch. Danke.
Autor

Kevin
Gründer von rautenblick. In Hamburg geboren, HSV-Fan seit Kindheit.
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