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05.06.2026

Emotionalität, Identität und ein Schicksal, das uns alle bewegt: Mario Vuskovic - Teil 1

Emotionalität, Identität und ein Schicksal, das uns alle bewegt: Mario Vuskovic - Teil 1

Henning Kretschmer

Dieser Blog-Artikel beleuchtet den emotionalen und hochgradig umstrittenen Doping-Prozess rund um Mario Vuskovic, dessen legendäre Nummer 44 in der Zwischenzeit symbolisch von seinem Bruder Luka getragen wurde. Der Blog arbeitet die zahlreichen Ungereimtheiten der WADA, das fehleranfällige EPO-Testverfahren sowie Marios verzweifelten Kampf gegen die sportrechtliche umgekehrte Beweislast detailliert auf.

Luka Vuskovic, unsere Nummer 44, kehrt nach der Saison 2025/26 wieder zu seinem Stammverein Tottenham Hotspur zurück. Aber wie kam es überhaupt dazu, dass so ein Generationentalent bei uns spielte?

Luka feierte letztes Jahr als Gast zusammen mit seinem Bruder Mario unseren Aufstieg. Mario lieh seinem kleinen Bruder Luka für die Zeit in Hamburg seine Nummer 44 aus. Die Nummer 44. Das ist die Nummer, die seit vier Jahren auf so vielen HSV-Trikots zu finden ist. Und das, obwohl ihr eigentlicher Besitzer seit November 2022 kein Pflichtspiel mehr für uns bestreiten durfte.

Doch warum ist das so? Blicken wir zurück.

Der Tag, an dem die Zeit stehen blieb

Es ist der 12. November 2022. Der HSV gewinnt in der 2. Bundesliga mit 4:2 gegen den SSV Jahn Regensburg. Es ist das letzte Mal für eine lange Zeit, dass Mario auf dem Platz steht. Schon ein Spiel später, im Auswärtsspiel gegen Fürth, fehlte er. Der HSV gab zunächst an, dass Mario aus privaten Gründen fehle. Doch kurz darauf gab der DFB den wahren, Schock auslösenden Grund bekannt: Mario wurde wegen Dopings gesperrt!

Im September 2022 wurde nach einem Training des HSV eine Routine-Dopingkontrolle durchgeführt, betroffen waren Mario Vuskovic sowie Xavier Amaechi. Es wurden zwei Fläschchen Urin entnommen: eine A-Probe und eine B-Probe. Die Proben bei Mario waren angeblich positiv auf EPO, ein ausdauersteigerndes Mittel.

Das umstrittene Testverfahren und die WADA-Rätsel

EPO-Doping wird mit einem Verfahren überprüft, bei dem – grob gesagt – eine Art Röntgenbild hergestellt wird. Körpereigenes EPO wird auf diesem Bild als schwarz dargestellt und externes EPO als grau. Es wird also per Vergleichsbildern vom menschlichen Auge in Farbtönen unterschieden, um EPO nachzuweisen. Das bedeutet: Kleinigkeiten, wie zum Beispiel die Belichtungszeit bei der Betrachtung des Bildes, können einen Befund schon völlig unterschiedlich bewertbar machen!

Ein Massenspektrumtest (wie man ihn zum Beispiel bei einem Schwangerschaftstest für ein klares Ergebnis nutzt) ist hier nicht geeignet, da so nicht unterschieden werden kann, ob das EPO körpereigen oder extern ist. Zudem muss man EPO spritzen. Bei Marios Untersuchung wurden jedoch zu keinem Zeitpunkt Einstichstellen an seinem Körper gefunden.


Zusätzlich gab das ganze Auftreten der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur) Rätsel auf:

  • Mangelhafte Kühlung: Die Probe wurde nach der Entnahme für drei Tage in einem privaten Kühlschrank aufbewahrt und dann ganz normal per DHL ins WADA-Labor nach Kreischa verschickt.
  • Verweigerte Analyse: Eine C-Probe wurde von der Verteidigung angefordert. Eine solche C-Probe für eine Drittanalyse ist in den Richtlinien der WADA und dem DFB jedoch nicht vorgesehen. Daher weigerte sich die WADA strikt, das noch übrig gebliebene Urin für eine Gegenanalyse auszuwerten.
  • Keine Unabhängigkeit: Der Vorsitzende des Labors in Kreischa, das Marios Probe ausgewertet hat, die dazu gezogene Wissenschaftlerin aus einem Labor in Oslo (die Marios Schuld bejahte) sowie ein von der WADA hinzugezogener Experte sitzen alle im selben Fachkreis. Sie sind also im weitesten Sinne direkte Kollegen.
  • Das DFB-Sportgericht entschied damals zwar selbst, ein Labor zu beauftragen. Das daraus resultierende Ergebnis war ebenfalls positiv, allerdings gehörte das beauftragte Labor ebenfalls zur WADA.

Marios Kampf gegen die umgekehrte Beweislast

Mario hat alles versucht, um seine Unschuld zu beweisen. Er hat einen DNA-Test angeboten, doch der DFB lehnte ab, weil die Richtlinien das nicht vorsehen. Eine Hausdurchsuchung der Polizei bei Mario lieferte keinerlei Beweise. Er unterzog sich freiwillig einem Lügendetektortest. Zudem haben vier unterschiedliche und voneinander unabhängige Experten, die vom HSV beauftragt wurden, bewertet, dass das positive Urteil falsch ist. Mario und der HSV taten das alles, denn im Sportrecht gilt die umgekehrte Beweislast: Ein Beschuldigter muss seine Unschuld beweisen.

Das DFB-Sportgericht in Frankfurt urteilte zunächst auf eine zweijährige Sperre. Primär, um den Fall an die nächsthöhere Instanz weiterleiten zu können. Denn dieses Urteil war eigentlich gar nicht regelkonform, da bei EPO-Doping laut Statuten nur vier Jahre Sperre oder ein Freispruch vorgesehen sind. Die WADA-Seite schlug Mario sogar einen Deal vor: Falls er das Doping gesteht, wird die Strafe auf zwei anstatt vier Jahre ausgesetzt. Dies wurde von Mario konsequent abgelehnt. Dieser Deal hätte ihm als Beweis fürs Doping ausgelegt werden können und hätte eine Vierjahressperre zur Folge haben müssen.

Somit kam es zum Prozess und zur Urteilsverkündung vor dem CAS (Internationaler Sportgerichtshof). Es wurde die für Doping vorgesehene Höchstsperre von vier Jahren ausgesprochen! Das Verhalten der WADA wundert dabei nicht: Für die WADA stand die Legitimität ihres gesamten Verfahrens sowie weitreichende Konsequenzen auf dem Spiel. Im schlimmsten Fall die Schließung von zwei WADA-Laboren und ein Präzedenzfall für alle Sportler, die in Zukunft mit diesem Verfahren auf EPO geprüft werden würden.

Das Licht am Ende des Tunnels: Er kommt zurück!

Seitdem fehlt uns Mario schmerzlich. Jedoch ist er durch seinen Bruder Luka in der vergangenen Saison und durch uns HSV-Fans, die zu diesem mehr als fragwürdigen Prozessverlauf nur eines zu sagen haben – FREE VUSKOVIC –, bis heute ein fester Teil der Mannschaft geblieben. Er ist ein Teil der Kabine und vor allem ein Teil des HSV!

Jetzt endlich ist die Ziellinie in Sicht:

Ab Mitte September darf Mario wieder offiziell mit der HSV-Mannschaft trainieren. Ich kann mir nicht ansatzweise vorstellen, wie viele HSVer zum Training kommen werden, um ihn im Arm der Familie zurückzubegrüßen!

Ab Mitte November ist er wieder spielberechtigt und steht endlich wieder für unsere Farben auf dem Rasen.

Und alle HSVer werden dann nur eines im Einklang mit unserem Stadionsprecher Stübi sagen wollen:

„Unsere Nummer 44... MARIO... VUSKOVIC!“

Autor

Jimmy

Jimmy

Autor bei rautenblick. Fußballverrückt durch und durch.

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